Zum Inhalt springen
← Alle Einträge
von OW

Von Sensordaten zu Entscheidungen — die Lücke, die niemand auf die Tafel zeichnet

Auf dem VDMA-KI-Gipfel in Frankfurt heute zeigte jemand eine Folie: „Sensordaten → KI → Entscheidung." Saubere Pfeile, selbstbewusste Kästchen. Ich habe meine Karriere auf Leiterplatten verbracht — dort sind die Pfeile der schwere Teil, nicht die Kästchen.

Was das Diagramm auslässt: Ein Sensor meldet eine Spannung. Er sagt Ihnen nicht, ob diese Spannung bedeutet, dass das Lager warm läuft, weil es ausfällt — oder weil es Dienstagnachmittag ist und die Halle 32 Grad hat. Kontext steckt in der Maschine, im Schichtplan, im Gedächtnis des Anlagenbedieners. Nicht im Signal.

Das ist für den Maschinen- und Anlagenbau besonders relevant: Ihre Maschinen laufen zwanzig Jahre. Der Sensor, der 2008 spezifiziert wurde, liefert einen Datenstrom, der nie für ein Sprachmodell konzipiert war. Die Spaltenköpfe sind im Kopf des Ingenieurs, der in Rente gegangen ist. Der Kalibrierungsdrift ist undokumentiert. Das vor der Spurensuche schon „Daten" zu nennen ist nicht ehrlich.

Apunas Haltung — zuerst die Datenbasis — ist kein Beratungsklischee. Das ist es, was die Leiterplatte lehrt. Bevor das Modell das Signal sieht, muss jemand die Platine nachverfolgen. Wer hat den Sensor eingebaut, nach welcher Spezifikation, und was hat man seitdem damit gemacht? Wenn Sie das beantworten können, haben Sie Daten. Vorher haben Sie Rauschen mit Zeitstempel.

Die KI ist nicht das Problem. Die Spurensuche ist die Arbeit.